Bestand
Bundesgesundheitsamt (Bestand)
Geschichte des Bestandsbildners:
1. Aufgaben/Organisation des Bundesgesundheitsamtes
Das Bundesgesundheitsamt (BGA) wurde durch das Gesetz über die
Errichtung eines Bundesgesundheitsamtes vom 27. Februar 1952 (BGBl. I
S. 121) als selbstständige Bundesoberbehörde aus den verbliebenen
Institutionen des 1945 aufgelösten Reichsgesundheitsamtes errichtet,
die in der Nachkriegszeit unter der Verwaltung des Berliner Magistrats
standen: das Robert Koch-Institut für Hygiene und
Infektionskrankheiten, das Institut für Wasser-, Boden- und
Lufthygiene und das Max von Pettenkofer-Institut. Zu diesen, abgesehen
von der Zentralabteilung für Verwaltungsaufgaben, drei Instituten
traten in der Folgezeit vier weitere hinzu. Zunächst wurde 1970 das
Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (SozEp) gegründet. Es
ging aus der Abteilung „Erforschung von Umweltschäden und
Zivilisationskrankheiten" hervor, die auf Weisung der Bundesministerin
für das Gesundheitswesen vom 20. Juli 1967 am 17. September 1967
eingerichtet worden war. Zusätzlich existierte zum damaligen Zeitpunkt
die Abteilung für Strahlenhygiene, die 1975 zu einem Institut
aufgewertet wurde. 1972 trat das Institut für Veterinärmedizin (Robert
von Ostertag-Institut) sowie 1975 das Institut für Arzneimittel hinzu
. 1989 wurde zudem das AIDS-Zentrum eingerichtet, welches direkt dem
Präsidenten des Bundesgesundheitsamtes unterstellt war.
Im Rahmen des Gesetzes über die Neuordnung zentraler
Einrichtungen des Gesundheitswesens
(Gesundheitseinrichtungen-Neuordnungs-Gesetz - GNG) vom 24. Juni 1994
(BGBl. I S. 1416) wurde das BGA aufgelöst und seine Zuständigkeiten
durch das Gesetz über Nachfolgeeinrichtungen des BGA (Artikel 1 des
GNG vom 24. Juni 1994) auf folgende selbständige Bundesoberbehörden im
Geschäftsbereich des BM für Gesundheit übertragen: 1. Bundesinstitut
für Arzneimittel und Medizinprodukte, 2. Robert Koch-Institut -
Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare
Krankheiten, 3. Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz
und Veterinärmedizin. Das letztgenannte Institut wurde im Januar 2001
in den Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verbraucherschutz,
Ernährung und Landwirtschaft verlagert, ehe es 2002 wieder aufgelöst
wurde. Das Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene wurde in das
Umweltbundesamt im Geschäftsbereich des BM für Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit eingegliedert.
Die Aufgaben
des BGA umfassten insbesondere:
· Forschung auf
dem Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege,
· Wissenschaftliche Beratung der Bundesregierung, anderer
staatlicher Entscheidungsträger, der EG, FAO/WHO und anderer
internationaler Gremien,
· Erledigung von
Aufgaben der Exekutive auf den Gebieten des Arzneimittel- und
Betäubungsmittelrechts, des Seuchenrechts, des Pflanzenschutzrechts
und des Chemikalienrechts.
2.
Aufgaben/Organisation der Institute des Bundesgesundheitsamtes
2.1. Das Robert Koch-Institut (seit 1891)
Schwerpunkte der Tätigkeiten des Instituts waren und
sind die Infektionskrankheiten. Die Aufgliederung in die einzelnen
Abteilungen wurde mehrfach verändert. So bestanden 1968 die
Abteilungen Parasitologie, Virologie, Bakteriologie, Chemie und
Grundlagenforschung. Diese Struktur war permanenten Änderungen
unterworfen. So gliederte sich das Institut 1976 in die Abteilungen
Virologie, Bakteriologie, Immunologie, Biochemie und Cytologie auf.
Das Institut besteht bis heute und hat im Zuge der Auflösung des BGA
1994 das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie sowie das
AIDS-Zentrum aufgenommen. Die Aufgaben umfassen im Einzelnen:
· Erkennung, Verhütung sowie Bekämpfung von
Krankheiten( nationales Public-Health-Institut).
· Bewertung, Analyse und Erforschung von Krankheiten von hoher
Gefährlichkeit, weitem Verbreitungsgrad oder großer öffentlicher oder
gesundheitspolitischer Bedeutung (Stichworte HIV/Aids, Krebs,
Allergien und Infektionskrankheiten).
·
Inhaltliche Bearbeitung und Koordinierung der
Gesundheitsberichterstattung des Bundes
·
Genehmigung des Imports und der Verwendung humaner embryonaler
Stammzellen.
2.2. Das Institut für Wasser-,
Boden- und Lufthygiene (1901-1994)
Gegründet
1901 als „Königlich Preußische Versuchs- und Prüfungsanstalt für
Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung", wurde es 1913 in
„Königliche Landesanstalt für Wasserhygiene" umbenannt, ehe es 1923
die Bezeichnung „Preußische Landesanstalt für Wasser-, Boden- und
Lufthygiene" erhielt. Den sachbezogenen Titel behielt das Institut bis
1994.
Aufgabe des Instituts war die angewandte
Forschung auf dem Gebiet der Umwelthygiene mit dem Ziel, den Menschen
vor den Gefahren und Auswirkungen der industrialisierten Umgebung zu
schützen. 1968 gliederte sich das Institut in 5 Abteilungen:
Allgemeine Hygiene und hygienische Zoologie, Trink- und
Betriebswasser, Abwasser/Gewässerschutz, Reinhaltung der Luft sowie
Strahlenschutz und Strahlenbelastung. Letztere wurde 1970 zu einer
eigenen Abteilung im BGA erklärt und somit dem Institut entzogen. 1994
wurde das Institut in das Umweltbundesamt eingegliedert.
2.3. Das Max-von-Pettenkofer-Institut
(1952/53-1994)
1952 als dritter Teil neben den
beiden vorgenannten Instituten in das BGA aufgegangen, erhielt dieser
Institutsteil am 7. Juni 1953 den bis 1994 bestehenden Namen. Aufgabe
des Instituts war die wissenschaftliche Beratung der Politik in den
vier Bereichen Öffentliches Gesundheitswesen, Toxikologie, Chemie der
Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sowie Ernährungsmedizin und
Ernährungsphysiologie. 1968 gliederte sich dies in die vier
Abteilungen Pharmakologie, Lebensmittelchemie, Veterinärmedizin und
Öffentliches Gesundheitswesen. 1972 wurde die Abteilung
Veterinärmedizin aus dem Institut herausgelöst und als eigenes
Institut im BGA etabliert. 1974 trat die Zentrale Erfassungs- und
Bewertungsstelle für Umweltchemikalien (ZEBS) hinzu, die insbesondere
die Belastung für den Menschen durch Schwermetalle in Nahrungsmitteln
erforschte. 1980 wechselte die Zuständigkeit für die Ernährungsmedizin
an das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie. Die Aufgaben des
Instituts gingen nach der Auflösung des BGA an das neu gegründete
Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und
Veterinärmedizin über. Unter seinem alten Namen existiert das Institut
seit der Auflösung des BGA als Forschungsinstitut an der
Ludwig-Maximilians-Universität München weiter.
2.4. Das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie
(1968/1970-1994)
Der Aufbau des Instituts SozEp
gliederte sich in drei Abteilungen (Sozialmedizin, Epidemiologie und
Diagnostische Technik), die wiederum zwei oder drei Referate
beziehungsweise ab 1975 Fachgebiete umfassten.
Die Aufteilung entsprach den Hauptaufgaben, die dem neuen
Institut vom Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit
übertragen worden waren. Hierzu zählte im Bereich der Sozialmedizin
die Beobachtung des Gesundheitszustandes und der
Krankheitshäufigkeiten in der Bevölkerung und in deren Schichten und
Gruppen. Dabei sollten die wechselseitigen Beziehungen zwischen
Gesundheit, Gesundheitsgefahren und Krankheit einerseits und den
sozialen, wirtschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen andererseits
erforscht werden. Des Weiteren sollte die Effizienz des
Gesundheitswesens bezüglich der Prävention beziehungsweise der
Behandlung von Krankheiten untersucht werden. Die Abteilung für
Epidemiologie analysierte die Bedingungen für die Entstehung und
Verbreitung von Umweltschäden und Zivilisationskrankheiten und bezog
dabei auch klinische Forschungsarbeiten ein. Zudem sollte das Institut
Verfahren zur Verhütung von Gesundheitsschäden und zur Früherkennung
von Krankheiten der vorstehend genannten Art entwickeln und diese auch
praktisch testen.
1980 übernahm das SozEp vom
Max von Pettenkofer-Institut die Zuständigkeit für Ernährungsmedizin.
1981 wurde in Köln die Geschäftsstelle zum „Gesamtprogramm zur
Krebsbekämpfung" gegründet, die 1989 wieder aufgelöst wurde. 1994
gingen die Aufgaben des Instituts an das Robert-Koch-Institut
über.
2.5. Das Institut für Strahlenhygiene
(1958-1989)
Anlass zur Gründung der
Vorgängereinrichtung des Instituts waren die Bewertung der Folgen der
Atombombenexplosionen der 1940er und 1950er Jahre und die Vorbeugung
vor weiteren Strahlenbelastungen. So wurde zunächst 1958 ein
Sonderausschuss „Radioaktivität" beim BM für Atomfragen gegründet, ehe
am 3. Februar 1961 beim Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene
eine Abteilung „Strahlenbelastung" gebildet wurde. 1963 wurde die
Abteilung in „Abteilung für Strahlenschutz und Strahlenbelastung"
umbenannt, ehe sie am 1. September 1970 als eigenständige Abteilung im
BGA mit der Bezeichnung „Abteilung für Strahlenhygiene" etabliert
wurde. Am 1. Juli 1975 wurde die Abteilung in das Institut für
Strahlenhygiene mit den zwei Abteilungen Strahlenexposition sowie
Medizinische Strahlentechnik und Strahlenschutz umgewandelt. Später
traten weitere Abteilungen hinzu: eine für Bevölkerungsschutz bei
kerntechnischen Anlagen (bestand nur von 1977 bis 1980), eine für
radioaktive Stoffe und Umwelt (seit 1980), sowie die Zentralstelle des
Bundes für die Überwachung der Umweltradioaktivität (seit 1989). Mit
dem Gesetz über die Errichtung eines Bundesamtes für Strahlenschutz
vom 9. Oktober 1989 (BGBl. I S. 1830) ging die Zuständigkeit in das
neu gegründete Bundesamt für Strahlenschutz über.
2.6. Das Institut für Veterinärmedizin (Robert von
Ostertag-Institut) (1972-1994)
Die
Veterinärmedizin, die seit 1876 im Kaiserlichen Gesundheitsamt
vertreten war, wurde 1952 als Abteilung in das
Max-von-Pettenkofer-Institut übernommen. Die in der Folgezeit immer
komplexer werdenden Aufgaben im Bereich des Tier- und Seuchenschutzes
sowie der Lebensmittelüberwachung führten neben einer kontinuierlichen
Erweiterung der Abteilung schließlich am 1. Februar 1972 zur Gründung
eines eigenen Instituts für Veterinärmedizin mit den Abteilungen
Lebensmittelhygiene, Zoonosen- und Tierseuchenforschung sowie
Arzneimittel, Tierernährung und Rückstandsforschung. Diese Struktur
blieb bis zur Auflösung des Instituts 1994 unverändert. Die Aufgaben
des Instituts wurden nach der Auflösung des BGA dem Bundesinstitut für
gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin
übertragen.
2.7. Das Institut für Arzneimittel
(1975-1994)
Das am 1. Juli 1975 gegründete
Institut hatte zur Aufgabe, die Arzneimittelsicherheit und die
Möglichkeiten zu einer wirtschaftlichen Arzneimitteltherapie zu
verbessern. Bei der Entstehung umfasste das Institut 7 Abteilungen,
die sich u.a. mit pharmazeutischen Fragen der Arzneimittelzulassung
oder der Aufsicht über den Verkehr mit Betäubungsmitteln und
psychotropen Stoffen (Bundesopiumstelle) beschäftigten. Auch dieses
Institut wurde einige Male umstrukturiert, ehe es 1994 im
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufging.
Das BfArM ist eine selbständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich
des Bundesministeriums für Gesundheit.
Vgl. zur
Organisation des BGA auch B 353/9294 mit zahlreichen Organigrammen und
zur Fachaufsicht über einzelne Institute des BGA, 1975 -
1993
Bestandsbeschreibung: Zu den
älteren, aus Abgaben zwischen 1975 und 1999 stammenden Unterlagen des
Bundesgesundheitsamtes und seiner Institute (Robert Koch-Institut
(1987), Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene (1987, 1988), Max
von Pettenkofer-Institut (1995), dem Institut für Veterinärmedizin
(1992)), die bisher unter den Nummern 1 bis 364 verzeichnet und
klassifiziert sind, trat im Zuge einer Aktenaussonderung im Robert
Koch Institut im Jahr 2007 eine Überlieferung des 1994 aufgelösten
Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie. Die dort übernommenen
Akten umfassen die Aktenplanhauptgruppe 1 (Allgemeine Angelegenheiten
der Verwaltung, der Organisation, des Geschäftsbetriebes und dgl.) und
die Aktenplanhauptgruppen 4, 6 und 8. Im Jahr 2012 wurden durch das
Robert Koch Institut weitere Akten des ehemaligen Instituts für
Sozialmedizin und Epidemiologie an das Bundesarchiv abgegeben, die
unter den Archivsignaturen B 208 / 1154-1163 zu finden
sind.
Inhaltliche Charakterisierung:
Das übernommene Schriftgut stammt zu geringen Teilen aus der
Zentralabteilung des BGA, schwerpunktmäßig jedoch aus dem Robert
Koch-Institut, dem Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene, dem
Max von Pettenkofer-Institut, dem Institut für Veterinärmedizin und
dem Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie. In Abgrenzung zu der
Überlieferung des ehemaligen Reichsgesundheitsamtes wurde als
generelles Stichdatum der 8. Mai 1945 festgelegt. Akten, die nach dem
Stichtag angelegt wurden, werden als Vorprovenienz zum Bestand
Bundesgesundheitsamt angesehen. Gleichwohl ist in wenigen Einzelfällen
- infolge langer Laufzeiten - im Bestand auch Schriftgut aus früherer
Entstehungszeit enthalten.
Schwerpunktmäßig
enthalten die Akten folgende Themen: Überprüfung von
Wasserversorgungsanlagen (1944-1957); Abwasserbeseitigung und
Gewässerschutz (1938-1963); Veterinärwesen, Fleischverarbeitung und
Überprüfung von Fleischerzeugnissen (1965-1978); Untersuchung von
Lebensmitteln (1942-1988); Organisationsunterlagen und
Gremienschriftgut (1968-1994); Sozialmedizin (1952-1994);
Infektionskrankheiten, parasitäre Krankheiten und Serologie
(1950-1995).
Erschließungszustand: Ein
Findbuchausdruck des gesamten Bestands (B 208/ 1-1163) liegt als
Referatsexemplar vor.
Vorarchivische Ordnung: Die
Sachakten waren nach verschiedenen Aktenplänen geordnet, deren
Gültigkeit oft nur auf einzelne Institute begrenzt war.
Umfang, Erläuterung: 829 AE;
Bislang als archivwürdig bewertet: 802 AE (Stand: 11/2015)
Zitierweise: BArch B
208/...
- Bestandssignatur
-
Bundesarchiv, BArch B 208
- Umfang
-
829 Aufbewahrungseinheiten; 22,2 laufende Meter
- Sprache der Unterlagen
-
deutsch
- Kontext
-
Bundesarchiv (Archivtektonik) >> Bundesrepublik Deutschland mit westalliierten Besatzungszonen (1945 ff) >> Bundesrepublik Deutschland (1949 ff) >> Jugend, Familie, Senioren, Gesundheit
- Bestandslaufzeit
-
(1932-)1952-1995
- Provenienz
-
Bundesgesundheitsamt (BGA), 1952-1994
- Weitere Objektseiten
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- Letzte Aktualisierung
-
16.01.2024, 08:43 MEZ
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Objekttyp
- Bestand
Beteiligte
- Bundesgesundheitsamt (BGA), 1952-1994
Entstanden
- (1932-)1952-1995